Knapp 30 Besucher:innen bestiegen mit Fadime Tuncer MdL und den Ladenburger Grünen den 48 Meter hohen Turm in der Römerstadt. Ein informativer Nachmittag dank der spannenden Führung des Heimatbundes!
Ladenburg. – Wer vom 48 Meter hohen Wasserturm in Ladenburg hinabblickt, sieht nicht nur die Dächer der Altstadt, den Neckar und die weitläufigen Grünanlagen.
Der Wasserturm (fotografiert im Frühjahr 2023). Foto: Team Tuncer Vielmehr blicken die Besucher auch auf ein Jahrhundert städtischer Wasserversorgung, technischen Fortschritts und bürgerschaftlichen Engagements.
Rund 25 Besucherinnen und Besucher folgten kürzlich der Einladung des Grünen-Kreisverbands Neckar-Bergstraße und der Landtagsabgeordneten Fadime Tuncer, um dieses beeindruckende Industriedenkmal hautnah zu erleben.
„Historische Bauwerke wie der Wasserturm sind mehr als Technik – sie zeugen von Identität, Geschichte und Innovationskraft unserer Region und ihrer Menschen.“
Fadime Tuncer betonte in ihren Begrüßungsworten die Bedeutung des Denkmalschutzes: „Historische Bauwerke wie der Wasserturm sind mehr als Technik – sie zeugen von Identität, Geschichte und Innovationskraft unserer Region und ihrer Menschen.“ In Baden-Württemberg gibt es fast 400 Wassertürme, von denen viele noch in Betrieb sind. Rund 25 Wassertürme und vergleichbare technische Bauten sind landesweit als Kulturdenkmäler geschützt. Mit gezielten Förderprogrammen unterstützt das Land den Erhalt signifikanter Baudenkmäler.
„1898 war ein eisiger Winter, der Neckar komplett zugefroren. Die Zementwerke in Heidelberg brannten nieder, weil es kein Löschwasser aus dem Fluss gab. Das war der entscheidende Moment, über einen Wasserturm nachzudenken.“
Die Führung übernahm Evelyn Bausch, zweite Vorsitzende des Heimatbund Ladenburg, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert und im Auftrag der Stadt die Besichtigungen durchführt. Sie schilderte anschaulich die Historie des Turms und machte die Geschichte und technischen Details lebendig: „1898 war ein eisiger Winter, der Neckar komplett zugefroren. Die Zementwerke in Heidelberg brannten nieder, weil es kein Löschwasser aus dem Fluss gab. Das war der entscheidende Moment, über einen Wasserturm nachzudenken“, so Bausch. Ursprünglich hatte man ans Martinstor gedacht, doch das war zu niedrig. „Mindestens 35 Meter Höhe waren nötig, um den hydraulischen Druck von 3,5 bar zu erzielen, der für die Versorgung der Stadt notwendig war.“
Errichtet wurde der Turm 1903 von der Süddeutschen Baugesellschaft für Feuerungsanlagen und Schornsteinbau aus Mannheim. Er verfügt über einen Stahltank nach dem Intze-Prinzip, der 250 Kubikmeter Wasser fasst – 190 Kubikmeter für den allgemeinen Verbrauch und 60 Kubikmeter als Löschwasserreserve. „Die drei Hauptfunktionen des Wasserturms waren Druckversorgung, Reservoir und Brandschutz – alles in einem Bauwerk vereint“, erklärte Bausch.
Damals wurden 100 Hydranten angeschlossen, rund 400 Haushalte beliefert, das Leitungsnetz erstreckte sich über neun Kilometer Rohrleitungen. Der Druck blieb dank der Steigleitungen und der Hochlage des Behälters konstant, unabhängig vom Wasserverbrauch.
Die Anlage wurde über fast neun Jahrzehnte genutzt und 1991 außer Betrieb genommen. In den Jahren 2019 bis 2021 erfolgte eine umfassende Sanierung dank privater Finanzierung: 15 Monate lang wurde der Turm restauriert, Fassaden, Dach und Wasserbehälter instandgesetzt, schadhaftes Mauerwerk repariert. Porzellanstecker wurden installiert, elektrische Leitungen und Beleuchtung modernisiert. Der Wasserbehälter wird heute von unten blau angestrahlt, die Rohre sind türkisgrün gestrichen, die Holzfenster originalgetreu nach Maß gefertigt.

Der Raum unterhalb des Wasserbehälters erstrahlt in leuchtendem Blau. Fotos: Team Tuncer
„Kinder haben während einer Führung die Stufen gezählt. Demnach hat das erste Stockwerk 30 Stufen, die Stockwerke zwei bis fünf je 27 Stufen“, erzählte Bausch. Das Industriedenkmal entspricht nicht den heutigen Sicherheitsvorschriften: Gitterstäbe bei Treppengeländern sind zu weit auseinander, die Eisenstufen scharfkantig – deshalb ist der Turm nur bei Führungen und auf eigene Gefahr zugänglich.
Neben seiner technischen Bedeutung ist der Turm auch ein städtebauliches Symbol. Er steht auf einem sieben Meter breiten Sockel, der Turmschaft umfasst fünf Stockwerke, das Fundament reicht 5,6 Meter tief. Die Architektur kombiniert funktionale Ingenieurskunst mit ästhetischen Details wie Klinkerfassade, floraler Blitzableiter-Verzierung und der charakteristischen Intze-Konstruktion des Wasserbehälters. Diese besondere Bauweise verteilt das Gewicht des Wassers optimal, erhöht die Stabilität und reduziert die Materialmenge.

Herrliche Ausblicke über die Ladenburger Altstadt, den Neckar und die Rheinebene.
Der Heimatbund Ladenburg engagiert sich stark für den Turm und andere kulturelle Einrichtungen der Stadt. Über 90 Mitglieder arbeiten ehrenamtlich in Museen, bei Führungen und Aufsichtsdiensten. Öffentliche Führungen durch den Wasserturm finden jeden ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr statt.
„Dank Ihres ehrenamtlichen Engagements wird der Turm nicht nur bewahrt, sondern auch erlebbar für die Ladenburger Bürgerschaft und auswärtige Besucher:innen“, würdigte Fadime Tuncer den Einsatz des Heimatbundes. „Mit Ihrem Wissen und Enthusiasmus gelingt es Ihnen, Geschichte greifbar und spannend zu vermitteln. Damit werden Sie diesem wertvollen Industriedenkmal, das Vergangenheit, Technik und Zukunft miteinander verbindet, mehr als gerecht!“