120 Gäste und drei politische Schwergewichte beim Empfang der Grünen in Dossenheim. Mit inspirierenden Reden läuteten Fadime Tuncer MdL, Thekla Walker MdL und Dr. Franziska Brantner MdB das politische Jahr ein.
Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete am 15. Januar 2026 über den Neujahrsempfang des KV Neckar-Bergstraße. Den Artikel finden Sie hier (hinter einer Paywall).
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Dossenheim – Viel Frauen-Power beim diesjährigen Neujahrsempfang des Kreisverbandes Neckar-Bergstraße der Grünen: Die Bundesvorsitzende Franziska Brantner stimmte gemeinsam mit der hiesigen Landtagsabgeordneten Fadime Tuncer und der baden-württembergischen Umweltministerin Thekla Walker die rund 120 Gäste im Dossenheimer Martin Luther-Haus auf ein neues Jahr ein, das verspricht, politisch besonders bedeutsam und spannend zu werden.
Das Jahr 2026 steht in Baden-Württemberg ganz im Zeichen der Landtagswahl am 8. März. Nicht nur Fadime Tuncer strebt eine Wiederwahl an, auch Cem Özdemir als grün-schwäbisches „Urgestein“ will dann die Nachfolge des bisherigen grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann antreten.
„Wir lassen die Kommunen nicht allein“ Fadime Tuncer erinnerte an die bisherige erfolgreiche Arbeit der grün-geführten Landesregierung und deren geplante Fortsetzung. „Wir lassen die Kommunen nicht allein!“ sagte sie. So wurde gerade im Dezember beschlossen, dass zwei Drittel der 13 Milliarden des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz, die Baden-Württemberg erhält, direkt an die Kommunen weitergeleitet werden. Diese sollen möglichst frei und unbürokratisch das Geld einsetzen können, wo es bei Infrastruktur und Klimaschutz am dringendsten gebraucht wird. Allein die zehn Kommunen in der Region könnten so rund 90 Millionen Euro in die Zukunft investieren.
Als weiteren wichtigen Aspekt der künftigen politischen Arbeit nannte Fadime Tuncer die Stärkung der Demokratie und den Kampf gegen das Erstarken des Rechtsextremismus. Fake News und die Spaltung der Gesellschaft gelte es zu verhindern, etwa durch frühzeitige Demokratie-Schulung in den Schulen.
"Die Zukunft nicht in der Vergangenheit suchen!" Die Bundesvorsitzende der Grünen Franziska Brantner, die die hiesige Region im Bundestag vertritt, warf einen Blick auf die derzeitige globale Situation und die Bundespolitik. Ihr Appell: „Wir dürfen die Zukunft nicht in der Vergangenheit suchen!“ Auch wenn US-Präsident Trump wieder fossile Energien wie Gas, Öl und Kohle in den Fokus stelle, dürfe sich Deutschland nicht im Ausbau der erneuerbaren Energien bremsen lassen. Denn die Erneuerbaren machen uns nach ihren Worten unabhängiger und tragen so zu mehr Frieden, Stabilität und Sicherheit bei.
Franziska Brantner sprach sich dafür aus, die europäische Verteidigungsunion voranzubringen. Staatsführer wie Trump und Putin akzeptierten nur Stärke. „Europa muss stark bleiben!“ Eine weitere Forderung der Grünen ist, dass die US-amerikanischen Tech-Konzerne auch hier Steuern zahlen, schließlich verdienten sie Milliarden mit Daten von EU-Bürgern.
Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner, Landtagsabgeordnete Thekla Walker und der Co-Kreisvorsitzende Michael Haug (von links). Fotos: Team Tuncer Brantner kritisierte, dass die Merz-Regierung insgesamt zu unambitioniert vorgehe, etwa beim Thema Bürokratie-Abbau und Beschleunigung von Prozessen. Die Grünen hätten mit Robert Habeck bewiesen, dass sie genau dies beherrschen. Unter der Ampelregierung sei der Zubau von Erneuerbaren Energien und Photovoltaik in vorher nicht geahntem Ausmaß vereinfacht und beschleunigt worden – und selbst neue LNG-Gas-Terminals seien in nur wenigen Monaten entstanden.
"Wir müssen die planetaren Grenzen beachten." Auch Thekla Walker, Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Böblingen, erinnerte an Robert Habeck. Er habe beim Neujahrsempfang 2019 vorausgesagt, dass die 2020er Jahre ein „Jahrzehnt des Umbruchs“ werden, in dem die Weichen neu gestellt werden müssen. Nun seien wir in der Mitte der 20er Jahre angekommen und es gebe „viel Gegenwind“, etwa von Trump, der aus allen Klimabündnissen aussteige. Trotzdem lasse sich auch regional viel erreichen.
Die grüne Umweltministerin berichtete vom Bündnis „Under2 Coalition“, zu dem inzwischen Bundesstaaten, Länder, Regionen und Kommunen aus sechs Kontinenten gehören. Sie haben sich eine ehrgeizige Klimaschutzpolitik als Ziel gesetzt. Baden-Württemberg hatte im Jahr 2015 mit Kalifornien dieses gemeinsame Abkommen unterzeichnet, in Belem in diesem Jahr wurde es erneuert. Die mehr als 180 Regionen weltweit, die in der Under2 Coalition vereint sind, repräsentieren inzwischen mehr als 50 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft.
„Wir müssen die planetaren Grenzen beachten!“, mahnte Thekla Walker und kritisierte, Themen, bei denen es um unser aller Lebensgrundlagen gehe, dürften nicht länger als ‚grünes Hobby‘ betrachtet werden. Die Erfahrung zeige, wie schnell oft wichtige Fortschritte für Natur und Umwelt wieder rückgängig gemacht würden, sobald die Grünen nicht mehr in den Regierungen vertreten seien.
Das Fazit der drei Rednerinnen: Das kommende Jahr wird kein einfaches werden, aber es lohnt zu kämpfen. Und in diesem Sinne gab Thekla Walker den Anwesenden noch ein Zitat von Vaclav Havel mit auf den Weg: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass es Sinn hat, egal wie es ausgeht.“
Ein gelungener Abend mit inspirierenden Reden und wunderbarer Musik des Weinheimer Duos Michelle Walker & Daniele Aprile. Fotos: Team Tuncer